05.10.2018

Inklusion im Sport

Damit alle dabei sein können!

Den Sport für alle zugänglich machen: Zwei Vorträge in Eupen setzten sich damit auseinander, wie Menschen mit Handicap Sport ausüben und erleben können. Die Veranstaltung zählte zur Europäischen Woche des Sports in Ostbelgien.

Dr. Denis Jaeken, Mitglied des Europäischen Paralympischen Komitees, analysierte in seinem Vortrag, wie sich der Sport für beeinträchtigte Menschen von der reinen Rehabilitation zum Breiten- und mittlerweile auch zum (Hoch-) Leistungssport entwickelt hat. Ein entscheidender Impuls dazu kam vom deutsch-jüdischen Neurochirurgen Ludwig Guttmann. Er startete 1944 im Auftrag der britischen Regierung ein sehr erfolgreiches Projekt, um kriegsversehrte Soldaten über sportliche Aktivitäten zu rehabilitieren.

Auf die Paralympische Bewegung geblickt

1960 gab es parallel zu den Olympischen Spielen von Rom erstmals auch Wettkämpfe für beeinträchtigte Menschen, seit 1988 gastieren die Paralympics regelmäßig in der jeweiligen Olympia-Stadt. Auf diese Entwicklung blickend, betonte Professor Jaeken nicht nur die positiven psychischen und sozialen Aspekte, die der Sport für gehandicapte Menschen mit sich bringt. "Auch technologische Fortschritte, etwa bei Prothesen und Rollstühlen, wurden und werden vielfach durch den Bedarf der Sportler angestoßen."

Mehr auf den Freizeit- und Breitensport schaute der Vortrag von Dr. Vera Tillmann, wissenschaftliche Leiterin des deutschen Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS, Frechen). Selbst ehemals als Hochleistungssportlerin unterwegs, plädiert sie dafür, die Inklusion in einem engen Sinn zu verstehen - nämlich tatsächlich als gemeinsames Sporttreiben von beeinträchtigten und nicht beeinträchtigten Menschen.

Das Ziel: gemeinsamer Sport

"Tennis für alle" ist eines der Projekte, die beispielhaft auf eine solche Kultur hinarbeiten: Im Projekt, das Blinde und Rollstuhlsportler anspricht, werden Vereine beim Aufbau inklusiver Angebote unterstützt und Trainer werden dafür speziell qualifiziert und geschult. Ein Projekt zum inklusiven Klettern in Wiesbaden ermöglicht es, dass Menschen mit Beeinträchtigungen selbst hoch hinaus kommen und auch lernen, andere Kletterer zu sichern.

"Mit hat gut gefallen, dass heute die gesamte Bandbreite des Sports für beeinträchtigte Menschen angesprochen wurde", resümierte Danny Dujardin von der Dienststelle für selbstbestimmtes Leben, die gemeinsam mit dem Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft den Vortragsabend veranstaltete. "Und genauso wichtig ist es, dass im Publikum viele waren, die in Verbänden oder Sportgruppen aktiv sind."

Sich bewegen, gesund bleiben

Mit der 4. Europäischen Woche des Sports will die Europäische Kommission die Bürger dazu ermuntern, Bewegung regelmäßig in den eigenen Alltag einzubinden - denn nur wer sich bewegt, kann auf Dauer gesund leben. In Ostbelgien wird die Europäische Woche des Sports vom Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft koordiniert. Viele Sportanbieter öffnen ihr Training zum Schnuppern und Kennenlernen. Damit man dabei möglichst viele Angebote testen kann, wird in Ostbelgien die Europäische Woche des Sports auf insgesamt drei Wochen ausgedehnt.